Österreich nutze ich -abgesehen von dem kurzen Zwischenstopp- nur als Transitland. Und obwohl die Alpen selbst von der Autobahn aus ein wunderschönes Panorama bieten, mache ich kaum Fotos. Einfach weil ich praktisch keine Gelegenheit dazu habe.
Daher komme ich schon am frühen Nachmittag in Ljubljana an.
Der Campingplatz ist eine ziemliche Enttäuschung. Laut Name sei es zwar ein Resort mit Hotel, aber gerade Letzteres ist leer. Leider sind auch die Sanitäranlagen geschlossen, da es auf dem gesamten Platz kein fließend Wasser gibt. Immerhin funktioniert der Strom.
Am nächsten Tag besuche ich die Innenstadt und die Burg von Ljubljana.
Und bin total beeindruckt.
Die Innenstadt ist wunderschön, ein wenig verwinkelt, aber mit unheimlich tollen Bauten. Selbst die Fußgängerzone erstreckt sich teilweise über zwei Ebenen, da am Ufer des Flusses eine Art Stufe gebaut wurde, an der Leute sitzen oder einfach nur spazieren gehen können.
Auch die Burg selbst ist beeindruckend. Sie wirkt von außen nicht sonderlich groß, aber auch hier gibt es mehrere Ebenen, die teilweise schon verwirrend verwinkelt sind. Und durch die Lage auf einem Berg hat man vom Aussichtsturm einen super Blick über die Stadt und kann von dort aus (laut Audioguide) bei gutem Wetter 30% von Slowenien überblicken.
Insgesamt eine wunderschöne Stadt, die ich bei Gelegenheit gerne wieder besuchen möchte.
In Trier habe ich von dem Betriebsleiter des Old Dublin Irish Pub den Tip bekommen, auf meinem Weg in Triest vorbei zu schauen. Das sei die Hauptstadt des Espresso.
Um ehrlich zu sein, fand ich Triest als Stadt jetzt nicht sonderlich beeindruckend. Sie ist eine schöne Hafenstadt, mehr aber nicht. Trotzdem höre ich auf den Ratschlag und setze mich für einen Espresso und eine Pizza in ein Restaurant.
Dafür, dass ich in Italien bin, ist die Pizza erstaunlich mittelmäßig. Da habe ich mehr erwartet. Aber der Espresso war schon eine ziemliche Offenbarung. Der hat sich wirklich gelohnt.
Noch mehr lohnt sich allerdings der Blick vom Campingplatz auf die Stadt. Der Platz liegt auf einem Berg, 370 Meter über der Stadt und der Blick nach unten ist einfach atemberaubend. Egal, zu welcher Tageszeit.
Auch der Campingplatz selbst ist sehr schön. Kein Luxuscamping, aber mitten im Wald auf der Bergspitze und mit funktionierenden Sanitäranlagen (was ich nach Ljubljana schon als Luxus empfinde)
Triest bei Nacht
Auf dem Weg hierhin habe ich immer überlegt, wie genau es nach Triest weiter geht. Die Richtung ist klar, aber die Wahl des Verkehrsmittels ist noch nicht gefallen.
Nach etwas Recherche finde ich aer eine Fähre von Venedig nach Griechenland, auf der ich sogar Campen darf. Wobei Campen hie nur im weitesten Sinne zu verstehen ist. Da die Fahrt 26 Stunden geht, darf jeder, der mit einem Wohnmobil fährt, in diesem schlafen und kochen.
Und es ist für mich eine gute Gelegenheit, mir einmal Venedig anzusehen. Ich bin zwar kein großer Fan von viel Touristik, aber es gibt Momente, da mache ich eine Ausnahme.
Ich bin sogar ziemlich überrascht. Klar ist die Lagunenstadt von Venedig sehr voll und touristisch, aber bei Weitem nicht so, wie ich es erwartet hatte.
Das mag zum Einen am regnerischen Wetter liegen, zum Anderen aber auch an der Nebensaison. Im Sommer ist hier wahrscheinlich noch viel mehr los.
Also lasse ich mich zu Anfang erstmal treiben um zu sehen, wo ich lande. Ich entdecke sehr viele Souvenirshops und lasse mir einmal die falschen Briefmarken für Postkarten andrehen. Aber das Problem kriege ich zum Glück gelöst.
Da es insgesamt nur vier Brücken gibt, die den Canale Grande überqueren, bleibt es nicht aus, dass ich irgendwann vor der weltberühmten Rialtobrücke stehe.
Normalerweise bin ich von solch berühmten Bauwerken etwas enttäuscht, da sie in Wirklichkeit kleiner sind, als in meiner Vorstellung.
Die Rialtobrücke
Hier ist es genau andersherum. In meinem Kopf war die Rialtobrücke immer eine kleine Fußgängerbrücke, die einfach architektonisch schön ist. Aber die wirkliche Brücke ist riesig. So riesig, dass sogar auf der Brücke eine kleine Einkaufsmeile Platz findet.
Der Acqua Alta Bookstore
Und so teuer wie man denkt, ist Venedig gar nicht. Klar sind die Preise höher als außerhalb und am Canale Grande kostet eine Pizza auch mal 28€ und ein Cappuccino 23€
Aber wenn man sich etwas umsieht und nach kleinen Restaurant sucht, findet man dort ganz anständige Preise. Ich habe zum Beispiel eine kleine, sehr gute Pizza für 3€ gegessen. Das ist das gleiche Preisniveau wie Zuhause.
Für den Abend habe ich mir eine geführte Tour gebucht über die dunklen Seiten von Venedig (Ghosts & Secrets Tour). Wusstet ihr, dass es sehr viele verlassene Inseln in der Lagune geben soll und es auf einer angeblich spukt?
Oder, dass die Venezianer niemals zwischen die beiden Säulen am Markusplatz durch gehen? Das bringt Unglück.
Markusplatz
Die schönste Nachricht kommt aber am Abend: Meine Freundin hat Zuhause zufällig etwas Zeit. Also nutzen wir diese und telefonieren anderthalb Stunden.
Und jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, warte ich am Hafen von Venedig auf die Fähre.
Griechenland wartet.
Da dies nicht meine erste Tour dieser Art ist, wusste ich vorher schon, dass der Start schwierig sein wird. Wirklich vorbereitet auf das erste Einsamkeitsgefühl war ich dennoch nicht.
Tagsüber, während ich unterwegs bin, ist alles gut. Aber die Einsamkeit kickt morgens und abends voll rein. Ich bin seit Anfang des Jahres in einer Beziehung und in den letzte zwei Wochen vor der Tour jeden Tag bei ihr gewesen. Und dann jetzt innerhalb weniger Stunden von extrem viel auf kaum Kontakt ist schon heftig.
Zum Glück gibt es moderne Kommunikationsmittel, dass der Kontakt nie abreißt. Das macht das Gefühl des Vermissens erträglicher.
Auch fahre ich nicht so viel, wie ursprünglich geplant.
Als erster Stopp war Trier angesetzt. Tatsächlich komme ich aber erst einen Tag später dort an, da ich in Köln Halt mache. Hier unternehme ich aber nicht viel, sondern schlendere durch die Innenstadt und kaufe ein paar Dinge, die ich vergessen habe, wie z.B. eine kleine Reiseapotheke.
Am nächsten Tag finde ich in Trier einen kleinen Irish Pub. Dienstags um 18 Uhr ist dort nicht viel los, weswegen ich mich ein wenig mit dem Barkeeper unterhalte. Er ist total begeistert von meiner Tour und gibt mir den Tipp, auf dem Weg in Triest, Italien vorbei zu schauen, der Espresso Hauptstadt.
Ich hoffe mal, dass er Recht hat.
Zwei Tage später komme ich in Friedrichshafen am Bodensee an, welches mich mit einem wunderschönen Blick über den Bodensee auf die Alpen begrüßt. Von der Stadt sehe ich aber nicht viel, da ich spontan beschließe, das Zeppelinmuseum zu besuchen, welches sich als interessanter herausstellt als erwartet.
Die Alpen
Am Abend überlege ich, wie es weiter geht. Bis Triest sind es ca. 8 Stunden Fahrt und da habe ich ehrlich gesagt keine Lust drauf. Mir waren sechs Stunden am Tag vorher schon genug.
Also suche ich ein Ziel, das halbwegs auf dem Weg liegt und entscheide mich für München. Die Stadt wollte ich sowieso sehen und da ich jetzt nur drei Stunde entfernt bin, liegt das nahe.
Obwohl es nicht perfekt auf meinem Weg nach Triest liegt.
Das Gerippe eines Zeppelins.
Der Campingplatz selbst liegt etwas außerhalb, was aber bei einer Stadt von der Größe Münchens nicht ungewöhnlich ist.
Und obwohl ich auf Touristen vorbereitet war, erschlägt mich die schiere Masse dann doch. Selbst in Köln auf der Domplatte war nicht so viel Trubel.
Ich bleibe also nur ein paar Stunden und suche mir dann wieder meinen Weg zurück zum Campingplatz.
Aber der Weg gestaltet sich schwieriger als erwartet. Zwar hat München eine Menge gut ausgebauten ÖPNV, aber allein um das richtige Gleis am Hauptbahnhof zu finden, brauche ich eine halbe Stunde.
Es tut mir fast Leid, das zu sagen, aber München und ich werden keine Freunde.
Trotzdem bleibe ich noch eine Nacht. Aber nur auf dem Campingplatz. Am nächsten Tag geht es dann nach Salzburg. Damit bin ich zum zweiten Mal in meinem Leben mit dem eigenen Auto ausserhalb Deutschlands.
Auf dem Weg dorthin fahre ich an Rosenheim vorbei. Soweit ich weiß, müsste eine Bekante von mir dort wohnen, die ich seit sechs Jahren nicht mehr gesehen habe.
Also schreibe ich ihr eine Nachricht mit der Frage, ob sie noch dort wohnt. Leider passt es gerade nicht, also fahre ich weiter bis Salzburg und verlasse damit Deutschland.
Morgen ist es soweit.
Das Auto ist bereit, die Sachen ist gepackt. Alles, was jetzt noch fehlt ist etwas Reiseproviant und dann geht s los.
Wie immer schwankt meine Stimmung zwischen Aufregung, Nervorität und schlechter Laune.
Aber ich kenne mich. Nach einer halben Stunde auf der Straße ist das Gefühl weg und das Urlaubsgefühl stellt sich ein.