Viel Zeit ist vergangen seit meinem letzten Eintrag.
Viel hat sich auch verändert seitdem.
Ich habe wieder eine eigene Wohnung, arbeite wieder in meinem gewohnten Job, habe sogar wieder ein Auto.
Aber fast zehn Monate Reisen am Stück gehen natürlich auch an mir nicht spurlos vorbei.
Manches ist gleich geblieben, anderes hat sich grundsätzlich auf den Kopf gestellt.

Viele dieser Dinge sind so subtil, dass es mir schwer fällt, sie in Worte zu fassen. Trotzdem möchte ich es einmal versuchen. Verzeiht mir bitte, wenn alles, was jetzt folgt, etwas konfus klingt.

Dadurch, dass ich einige der ärmsten Länder der Welt besucht habe, ist mein Blick auf unsere europäische Lebensweise komplett auf den Kopf gestellt. Dinge, die mir früher selbstverständlich erschienen, sind es heute nicht mehr.
Dinge wie fließend Wasser (auf Wunsch auch warm), zuverlässiger Strom aus der Steckdose, ein festes Dach über dem Kopf, ein stabiles politisches System, befestigte Straßen und noch viele Dinge mehr, sind solche, die ich (und andere immer noch) als selbstverständlich angesehen habe.
Klar hört man in den Medien immer wieder davon, aber es ist ein Unterschied, ob man es nur durch das Fenster des Fernsehers sieht oder ob man es selbst erlebt.
Ob man es nur weiß oder ob man es fühlt.

Ich bin wesentlich entspannter geworden.

Viele vermeintlichen Probleme, von denen die Menschen in meiner Umgebung reden kann ich nur noch mit einem Schulterzucken abtun. Das liegt auch zu einem Großteil daran, dass ich gelernt habe:

Es gibt gewisse Dinge, die wir nicht beeinflussen können.

Und sich darüber aufzuregen ist in meinen Augen reine Energieverschwendung. Energie, die ich lieber dazu nutze, meine Laune zu heben. Leider resultiert das oftmals darin, dass ich den Kontakt zu diesen „Jammerlappen“ fast gänzlich abgebrochen habe. Ein wenig tut es mir Leid um diese Menschen, aber ich weiß, dass ich sie nicht ändern kann. Gleichzeitig ist mir meine geistige Gesundheit aber enorm wichtig. Denn wenn ich zu viel jammere, bekomme ich schlechte Laune.
Das ist eine Eigenschaft, die ich von den Afrikanern gelernt habe. Nicht das Ignorieren von Menschen, sondern die Fokussierung auf das Positive.
Oder wie ein Freund zu sagen pflegt: „Hakuna Matata“ (Suaheli für „Kein Problem“)
Anders ausgedrückt: „Heute haben wir Wasser, Morgen sehen wir weiter.“

Auch Toleranz ist ein großes Thema.

Ich weiß zwar immer noch nicht, wie es sich anfühlt, im Kriegsgebiet zu leben, weiß jetzt aber, dass es wir Menschen nur ein ganz kleiner Teil dieses Universums sind und der Planet Erde sich einen Dreck darum schert, ob wir Menschen leben oder sterben.
Wir sitzen also alle in einem Boot und sind von der selben Rasse. Egal, welcher Hautfarbe, Herkunft oder Religion.
Also warum, um Himmels Willen, sind manche Menschen nicht in der Lage, anderen -in Not geratenen- zu helfen? Besonders dann, wenn sie unverschuldet in diese Not geraten sind!
Wir hier in Deutschland gehören zu den reichsten 5% der Weltbevölkerung. Wir sind eines der reichsten Länder dieses Planeten.
Warum also sollten sollten wir diesen Reichtum nicht mit anderen teilen, die ihn nicht haben?

Auch was Probleme angeht, sehe ich es inzwischen wie die Buddhisten:

-Kannst du das Problem beseitigen?
-Ja
-Dann mach es. Also: Warum machst du dir Sorgen?

-Kannst du das Problem beseitigen?
-Nein
-Warum machst du dir Sorgen?

Es gibt Dinge in unserem Leben die wir einfach nicht beeinflussen können. Zum Beispiel das Wetter.
Was wir aber beeinflussen ist unsere Art, wie wir darauf reagieren. Um mal beim Beispiel Wetter zu bleiben.
„Iiiihh, es regnet, ich werde nass.“
„Bäähh, es ist viel zu kalt draußen.“
„Die Sonne ist viel zu hell!“

Meine Reaktionen:
„Zeit, die Regenjacke zu testen.“
„Warm anziehen, dann geht das schon.“
„Geil! Sonne!!!“

Wo wir wieder beim Jammern wären (Siehe oben)
Apropos Jammern: In Belgien gab es mal die Aktion „30 Tage ohne Jammern“. Eine super Sache, die (wie ich finde) jeder einmal ausprobieren sollte. Es hilft!

Jedes Leben endet irgendwann

Als ich in Nairobi war, erreicht mich die Nachricht des Todes eines Familienmitglieds. Zwischen der Trauer schlich sich bei mir dann irgendwann die Erkenntnis ein, dass ich genau das Richtige getan habe, als ich fast ein Jahr vorher in die Flieger nach Kapstadt gestiegen bin.
Das Leben kann jederzeit vorbei sein. Innerhalb einer Sekunde von jetzt auf gleich ohne, dass du damit rechnest.
Warum also lebst du, als würde es ewig so weiter gehen?
Warum verschiebst du deine Träume auf später? Auf die Rente? Auf den Lottogewinn?
Was passiert, wenn du das Rentenalter gar nicht erst erreichst? Oder du nie im Lotto gewinnst?
Oder vorher zum Pflegefall wirst?
Besagtes Familienmitglied war zum Zeitpunkt seines Todes gerade einmal 27 Jahre alt.

Lebt euren Traum!
Jetzt!
Ein Später kommt vielleicht nie!