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Dank Christine lerne ich Nairobi aus Sicht einer Einheimischen kennen. Es ist zwar nicht so, dass wir uns jeden Tag treffen (sie muss ja auch arbeiten). Aber jedes Mal bemerke ich, dass Nairobi eigentlich wie eine euröpaische Hauptstadt tickt. Allerdings mit einem afrikanischem Einschlag.

Hier gibt es -genauso wie Zuhause- große Einkaufszentren, die um diese Jahreszeit sogar weihnachtlich geschmückt sind. Und wenn es dann abends noch dunkel wird, könnte man fast meinen, wieder in Deutschland zu sein.
Kleine Anmerkung: Aufgrund der Nähe zum Äquator geht die Sonne hier bereits um 19 Uhr unter.

Der Uhuru-Park

Der Uhuru-Park

Auch gibt es hier einige richtig schöne Parks. Der Uhuru-Park, den wir besuchen bietet sogar einige Attraktionen an. Fast wie eine ganzjährige Kirmes. Auf dem kleinen See, kann man sogar Tretboot fahren. Wir mieten uns also eines dieser Boote und treten ein wenig über den See. Und obwohl ich die Bewegung durchs Radfahren gewohnt sein sollte, fällt es mir hier ungewöhnlich schwer. Aber Christine hilft mit, dann geht’s wieder. Außerdem hat Wasser einen viel höheren Widerstand als mein Fahrrad.
Wir kaufen sogar vom Wasser aus ein Eis, nur leider muss ich als Muzungu 50 Shilling, statt 30 bezahlen.

Ich würde schon fast sagen, dass Nairobi keine typisch afrikanische Stadt, sondern sehr europäisch orientiert ist.
Aber was ist schon afrikanisch?

Außerhalb der Großstädte würde ich sagen, das einfache Leben. Und statt Supermärkten gibt es nur kleine Shops, die ein begrenztes Angebot haben. Man findet sie allerdings auch in Nairobi.
Hier kommt der afrikanische Einschlag zum Tragen.

Hallo, Blödmann

Hallo, Du

Viele Afrikaner sind sehr darauf bedacht, ihre Kultur zu behalten. Ob aus Traditionsbewusstsein oder Sturheit kann ich leider nicht sagen. Das sieht man hier in der Stadt vor Allem daran, dass manche Massai ihre Rinderherden gerne mal durch die Stadt treiben. Es ist also keine Seltenheit, dass der Verkehr stockt, weil ein paar Rinder auf der Fahrbahn stehen.
Hintergrund ist der, dass Nairobi auf früherem Massaigebiet steht und die Massai ein sehr, sehr stolzes Volk waren und auch immer noch sind.

Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich Zuhause als Briefträger bei der Post arbeite. Entsprechend spannend wurde es für mich, als ich zur hiesigen Post musste, um mein neues Laufrad abzuholen. Ich hatte zwar keinen Abholschein, sondern nur die Sendungsnummer und die Bestätigung per Sendungsverfolgung, dass das Paket im Postamt liegt, aber ich wollte es versuchen.
Vorher bin ich aber auf Anraten von Chris, dem Campingplatzbesitzer, zu seinem Postfach gefahren, um zu sehen, ob dort besagter Schein drin liegt. (War keiner drin)
Jeder, der hier eine Firma eröffnet, muss solch ein Postfach haben. Und selbst Chris schaut dort, nach eigenen Angaben, sehr selten rein, da hier sehr viel auf elektronischem Wege erledigt wird. Sprich: Email. Selbst seine Rechnungen und Einkäufe kann man hier mit dem Smartphone bezahlen (eine Idee, die ich übrigens sehr cool finde). Für alle, die da recherchieren wollen: Das Ganze nennt sich „M-Pesa“.

Im Postamt fühle ich mich regelrecht in die Vergangenheit zurück versetzt. Die Einrichtung ist sehr einfach gehalten und erinnert an Filme aus den Fünfzigern oder so (Ich hab da noch nicht gelebt, also kann diese Annahme auch falsch sein).
Hier wird noch sehr viel per Hand geschrieben und gestempelt und sogar die Mitarbeiter tragen graue Kittel, die eher an Reinigungskräfte, als an Postmitarbeiter erinnern. Und trotzdem gibt es elektronische Handscanner, mit denen die Pakete erfasst werden.

Diebstahlsicherung

Diebstahlsicherung

Ich stehe also im Postamt im ersten Stock und bin versucht, mich durch das Gedränge zu wühlen. Zum Glück muss ich aber ein Stockwerk höher.
Hier reicht der Dame zum Glück die Sendungsnummer um nach dem Paket zu sehen. Ein paar Minuten später kommt sie wieder zurück und sagt mir, dass ich in den fünften Stock zum Zoll müsse.
Oben geht das Warten weiter. Inzwischen sehe ich mein Paket. Allerdings hat der Zollbeamte noch ein paar Fragen. Es dauert aber noch ein bisschen, bis er sie stellen kann, da er der Einzige vom Zoll ist.
Im gesamten Gebäude.
Als ich schließlich an der Reihe bin, zeigt er mir die Zollerklärung, auf dem ein Wert von 0,00€ vermerkt ist.
„Das ist gelogen“, sagt er in einem erstaunlich freundlichem Ton. Und ich kann ihn sogar verstehen. Hier in Afrika ist es unüblich, dass jemand (besonders ein Muzungu wie ich) etwas umsonst bekommt.
Also überlege ich mir innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde einen Wert und sage ihm, dass so ein Laufrad Zuhause ungefähr 50€ kosten würde. Das liegt zwar immer noch weit unter dem eigentlichen Wert des Rades, aber der Beamte akzeptiert das. Und direkt danach folgt die nächste Überraschung. Allerdings eine gute.
Statt 100%, muss ich nur 50% Zollgebühren bezahlen, was laut ihm einem Wert von 2500KShs entspricht (ein sehr vorteilhafter Wechselkurs für mich).

Gute Nacht

Gute Nacht

Noch am gleichen Tag baue ich mein Fahrrad um. Teilweise muss ich etwas improvisieren bis alles passt, aber schließlich klappt es wie geplant.
Die nächsten Tage werde ich jetzt damit verbringen, einen Flug und Unterkunft nach und in Marokko zu suchen.
Denn so sehen meine nächsten Pläne aus: Von hier aus nach Marokko fliegen, um das Land zu erkunden und dann (je nach Wetterlage) über Gibraltar zurück nach Europa und dann noch Spanien mitnehmen.
Und wenn alles läuft, wie geplant, kann ich zwischendurch sogar mit meinem Vater zusammentreffen und nach über acht Monaten wieder etwas Zeit mit (einem Teil) der Familie verbringen.

Der Uhuru-Park

Der Uhuru-Park