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Bereits am Abend vor meiner Abreise nach Casablanca und sogar beim Flug ist meine Stimmung ein wenig gedrückt. Zum einen, weil ich mich in Nairobi ein wenig heimisch fühle (das gleiche Gefühl hatte ich auch als ich Windhoek verlassen habe). Zum Anderen noch der Abschied von Christine, die ich wirklich ins Herz geschlossen habe und es wirklich schade wäre, wenn wir uns nicht wiedersehen.

In Casablanca angekommen, suche ich mir ein ruhiges Plätzchen um mein Rad wieder zusammen zu schrauben, da es anders nicht in den Karton passte. Das geschieht (wie ich es bereits von Afrika gewöhnt bin) unter Aufsicht der Einheimischen. Aber die Marokkaner sind viel zurückhaltender und viel weniger aufdringlich als die Schwarzafrikaner. Und nach den letzten Monaten, wo ich praktisch immer unter Beobachtung stand, ist das auch mal eine schöne Abwechslung.

Die Moschee von Hassan II – The mosque of Hassan II

Das Rad ist zwar nicht perfekt, aber ich mache mich auf den Weg zur amerikanischen Schule, wo ich mich bei Robert melden soll, meinem WarmShowers Gastgeber. Leider ist er nicht mehr im Gebäude und die Nachtwächter können mir auch nicht weiter helfen. Und da es langsam dunkel wird, bleibt mir nichts anderes übrig, als mir ein Hotel zu suchen. Das ist vielleicht auch nicht ideal, aber immer noch besser, als in der Dunkelheit nach einer Unterkunft zu suchen.

Dafür sind die Marokkaner sehr freundlich. Auf den Straßen sehr respektvoll und vorsichtig. Sie grüßen freundlich, wenn sie mich sehen und überholen mich nicht auf der letzten Rille.
Vielleicht würde ein Europäer da anders denken, aber wenn man in Tansania und Kenia gefahren ist, kommt einem Marokko gleich viel angenehmer vor.
Trotzdem muss ich mich erst ein wenig dran gewöhnen, da hier wieder Rechsverkehr herrscht. Ich bin in den letzten sieben Monaten nur auf der linken Straßenseite gefahren. Aber ich sehe das als Gewöhnung für die Heimat.

Wildcamping

Am nächsten Tag treffe ich mich doch noch mit Rob und bleibe zwei Nächte bei ihm. Er selbst sagt über sich, dass er eigentlich Fahrradfahrer sei und nur des Geldes Wegen Direktor der Schule. Zum Abschied fährt er sogar 20km mit mir um Casablanca herum, damit ich den Stadtverkehr umgehe. Ich mache mich zwar prompt wieder auf den Weg zur Küste, aber immerhin bin ich den Stadtverkehr umgangen.
Als ich an einer Straßenkreuzung halte, um etwas zu trinken, kommt zufällig eine junge Marokkanerin vorbei und fragt mich nach etwas Wasser. Ihr Wunsch ist wirklich freundlich und ernst gemeint. Nicht fordernd und unfreundlich, wie ich das aus anderen Ländern kenne. Also teile ich gerne mit ihr. Sie Verabschiedet mich mit den Worten „Welcome to Morocco“. In den ersten Tagen werde ich öfter nach Wasser gefragt. Immer wieder in demselben, freundlichen Ton. Und jedes Mal helfe ich aus.
Nur einmal muss ich ablehnen, als mich ein Mann nicht nach Wasser, sondern nach meinen Schuhen fragt. Die brauche ich wirklich noch. Aber allgemein kann ich bisher sagen, dass mir Marokko recht gut gefällt, auch wenn es sich kaum noch nach Afrika anfühlt. Ich habe mehr das Gefühl fast Zuhause zu sein. Und sogar mit meinen sehr, sehr einfachen Französisch komme ich halbwegs gut durch.

Autobahn mit Seitenstreifen – motorway with shoulder

Einen Tag später werde ich sogar von zwei Rennradfahrern aufgegabelt, die mich immer weiter antreiben und teilweise sogar anschieben. Im Ort Khemisset machen wir etwas länger Station und essen etwas zu Abend. Sie laden mich noch ein, 8km weiter zu radeln, aber nach 118km bin ich ziemlich müde. Außerdem wird es empfindlich kalt und dunkel. Also muss ich leider anlehnen.

Einen Tag später erreiche ich Meknés, einen sehr schönen Gebirgsort, der einen sehr freundlichen Eindruck macht. Allerdings bedeutet Gebirgsort auch, dass es im Ort ziemlich starke Steigungen gibt. Glücklicherweise gibt es hier etwas, das ich seit Kapstadt nicht mehr gesehen habe: Fusswege!
Sogar ziemlich breite. So breit, dass ich mit meinem Rad niemandem auf die Nerven gehe.

Als ich abends nach einem Zeltplatz suche, werde ich von einer marokkanischen Familie spontan zum Tee eingeladen. Die Konversation verläuft zwar etwas schleppend, aufgrund meines sehr, sehr einfachen Französisch, aber ich versuche so gut es geht, alle ihre Fragen zu beantworten. Zum Abschied schenken sie mir sogar noch eine Tüte mit Brot und Feigen. Vielen herzlichen Danke dafür.

Doch je ländlicher es wird, desto weniger Gastfreundschaft und Höflichkeit erfahre ich. Dass Kinder mich anschreien und Jugendliche sich über mich lustig machen, bin ich schon gewöhnt. Aber jetzt machen auch die Erwachsenen den Eindruck, als wollten sie mich eigentlich gar nicht hier haben. Das ist sehr bedauerlich, kenne ich aber bereits aus anderen Gegenden.
Das geht vorbei.

Auch wird es jetzt schwieriger, einen Platz für die Nacht zu finden. Die Felder links und rechts der Straße sind alle bewirtschaftet und eingezäunt, also tabu für mich, und in den Dörfern gibt es keine Hotels oder ähnliches. Trotzdem finde ich kurz vor Anbruch der Dunkelheit noch einen Platz für die Nacht.

Zweisprachige Straßenschilder – bilingual streetsigns

Nur schlafe ich recht schlecht und fühle mich am nächsten Morgen ziemlich kraftlos, dass ich beschließe, heute nur 30km zum nächsten Ort zu fahren und mir dort ein Hotel zu suchen. Dafür nutze ich die Gelegenheit, mir einmal das arabische Leben genauer anzusehen.
Und es ist an vielen Stellen ziemlich klischeehaft. Enge Gassen, verschleierte Frauen und Männer, die in Cafés sitzen und Tee trinken.
Irgendwoher muss das Klischee ja kommen. Aber ich sehe überhaupt nichts von der Unterdrückung der Frau, von der gelegentlich die Rede ist.
Im Gegenteil.
Die Frauen, die ich hier sehe, sehen ziemlich selbstbewusst und zufrieden aus.

Der nächste Tag bringt Regen, der auch bis Ceuta anhalten soll. Als ich mich unter einem Baum unterstelle, bieten mir zwei Einheimische an, mich in ihrem Shop unterzustellen und geben mir sogar einen durchsichtigen Plastiksack, aus dem ich mir eine Regenhose improvisiere.
Trotzdem stelle ich mich 20km weiter für zwei Stunden unter. Ich könnte sogar über Nacht hier bleiben, das Vordach, das zu dem Haus gehört scheint verlassen. Aber ich möchte versuchen, noch ein paar Kilometer zu machen. Doch nach zehn Minuten setzt der Regen wieder ein und ich versuche es per Anhalter.

improvisierte Regenhose – improvised raincover

Und tatsächlich nimmt Mohammed mich mit. Ein Einheimischer Transportfahrer, der Säcke mit Erdnüssen ausliefert. Er stellt mich sogar ein paar seiner Freunde vor und spendiert mir ein paar Kleinigkeiten zu essen. Am Ende lädt er mich sogar über Nacht zu sich nach Hause ein, was ich aber höflich ablehne. Ich finde, er hat schon genug für mich getan. Dafür fährt er mich in ein nahes und günstiges Hotel. Er ist sogar bereit, für mich zu zahlen, aber ich habe noch genug Dirham bei mir, um das selbst zu erledigen.

Warten auf besseres Wetter – waiting for the rain to stop

Aber er ist ein herzensguter Mensch und ein Musterbeispiel an (islamischer) Gastfreundschaft.

Jetzt sind es nur noch 35km bis nach Ceuta, einer spanischen Enklave in Marokko. Der Weg dahin ist zwar immer noch sehr regnerisch, aber landschaftlich sehr schön. Er führt mich direkt am Mittelmeer entlang, das dritte Meer auf dieser Tour.
Die Ausreise aus Marokko ist ein wenig komplizierter, als das was ich gewöhnt bin. Hier muss ich mich wieder in Autoschlangen einreihen und der Ausreisebeamte möchte sogar einen Blick in meine Taschen werfen. Er schaut dann aber nur oberflächlich in zwei meiner sechs Packtaschen.
Die Einreise in die EU funktioniert erwartungsgemäß unproblematisch. Ein kurzer Blick in den Pass und gut ist.
Danach heißt es: Fähre suchen. Am Ticketschalter kann ich auch gleich meine letzten Dirham in Euro tauschen. Hier in Ceuta kann ich sogar mit beiden Währungen bezahlen.

Als die Fähre dann den Hafen verlässt, fühle ich eine Mischung der verschiedensten Gefühle. Einmal Wehmut, weil die Reise sich jetzt langsam dem Ende zu neigt und weil ich viele großartige Erlebnisse in Afrika hatte. Allerdings auch eine ganze Menge Stolz auf das, was ich in den letzten sieben Monaten erlebt habe.
Meine Reise ist hier noch nicht zu Ende, aber die Fähre markiert einen ganz großen Meilenstein dieser Tour.

Alles Gute Afrika – Farewell Africa

Alles Gute Afrika. Wir hatten viele tolle Erlebnisse zusammen und ich werde mit Sicherheit irgendwann wieder kommen.
Versprochen!

BIENVENUE

The evening before my flight to Morocco, my mood is a bit down. I feel quite at home on the campsite and in Nairobi (I had the same feeeling, when I left Windhuk after six weeks). And I have to say Good Bye to Christine, who I really like and it would be a shame, if we don’t meet again.

In Casablanca I look for a quiet place to reassemble my bike, what I do with audience. But the people here keep much more distance, than I am used to be. And that’s quite a diffence I like.

Die Moschee von Hassan II – The mosque of Hassan II

The bike is not perfect, but I make my way to the American School, where I hope to meet Robert, my WarmShowers Host. But I’m too late and he’s already gone home and nobody of the security guards can reach him. So my only option is to look out for a cheap hotel

But the maroccan people are very friendly and respectful. Also in the traffic. They keep distance and don’t overtake me too close. They even stop for me to let me pass. Some Europeans might think different, but when you’ve been to Tansania and Kenya, it feels a bit like paradise.

Wildcamping

The next day I meet Robert and stay two days at his place. The last day, he even cycles 20km with me to avoid the city traffic. He sais about himsself, that his profession is being a cyclist. Directing the School is just a Job.

Later that day, as I stop to drink, a young girl comes to me and ask, if she could have some water. But the question is not rude, but polite and graceful. And of course I share my water with her. I will hear that question a few times in the next days. Only one time, I have to say no. Because the guy was not asking for water, but for my shoes. And I really need them myself.
So far I can say: I like Morocco. It doesn’t feeel like „real“ Africa, but was is „real“ Africa? Even my very basic french is enough.

Autobahn mit Seitenstreifen – motorway with shoulder

One day later I get picked up by two other cyclists on roadbikes. We cycle together and they push me up to 118km that day. Later, when we stop for dinner, I say, that I’m finished for that day and they put me in a small Hotel. But not without pictures with me and their friends.

One evening later I get invited by a local family for tey and bread. The conversation is a bit tricky, but doable. I do my best to answer their quetsions as good as I can. Thank you for this.

The more I get away from the bigger cities, the less Hospitality I receive. Some people look at me, as they want me to be somewhere else. But I had that in other areas on this trip.
It’ll pass.

It also gets hardeer to find a place for my tent and the small villages have no Hotels and guesthouses. So I keep on cycling, until I find a place before it get’s dark. But it was close.

Zweisprachige Straßenschilder – bilingual streetsigns

The next morning I feel very weak and I stop after 30km and check in a Hotel. So this will be a good opportunity for me to discover the arabic lifestyle. At some points I see lots of Clichees. But I don’t see any suppressed women. It’s the opposite: The women seem very selfsecure and friendly. Especially the younger generation.

The next day brings rain, what will continue until I arrive in Ceuta. As I stop under a tree, two locals invite me in their shop and give me a plastic bag, from which I improvise a raincover.
As the rain stops, I try to cycle a few kilometers, but it comes back. So I hitchhike and get picked up my Mohammed, a local driver, who delivers peanuts and otheer stuff. He introduces me to his friends, give me food and even invites me to his house for the night, what I politely decline. So he finds a cheap hotel for me.

improvisierte Regenhose – improvised raincover

From here it’s only 35km to Ceuta, a spain Enklave in Morocco. The way is a bit rainy, but the scenic is beautiful, because (again) I cycle along the sea. The Mediterranian this time.

Warten auf besseres Wetter – waiting for the rain to stop

Leaving Morocco is a bit more complicated, than I’m used to. It’s mostly made for cars, but with my bike, I can switch between the lanes and take the shortest.
After I got my stamp, the officer wants to take a loook inside my bags. But a short look in one of the front bags and he is happy.
The Immigration is as easy as expected. They just have a short look into my passport and that’s it. Now it’s time to find a ferry to spain. Back to Europe. At the Ticketcounter I can change my last Dirham into Euros.
And as I leave Africa, I have a strange feeling. Like a mixture between sadness and proud.
Sadness because, I leave this wonderful continent, who gave such wonderful experiences (good and bad). And Proud of that, what I have done.
My trip does not end here, but entering Europe is a big milestone on this trip.

Alles Gute Afrika – Farewell Africa

Thank you Africa. We had such wunderful experiences and I will come back some day.
I promise!